Die private Krankenversicherung in Deutschland
Das Krankenversicherungssystem in Deutschland ist dual aufgebaut. Dies bedeutet, neben der gesetzlichen Krankenversicherung besteht für bestimmte Personengruppe auch die Möglichkeit sich bei einem privaten Krankenversicherer zu versichern. Arbeitnehmer sind grundsätzlich gesetzlich krankenversichert. Haben Sie allerdings ein Bruttojahreseinkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG), so können sie sich von der Versicherungspflicht befreien lassen und in die private Krankenversicherung eintreten. Im Jahr 2012 liegt die Jahresarbeitsentgeltgrenze bei 50.850 Euro brutto jährlich. Sie wird allerdings jährlich abhängig von der Lohnentwicklung in Deutschland angepasst.
Wer kann sich privat versichern?
Andere Berufsgruppen können unabhängig von ihrem Einkommen in die private Krankenversicherung eintreten. Dazu zählen Beamte, Selbständige und Freiberufler sowie Studenten. Die Entscheidung, ob man in der gesetzlichen Krankenversicherung verbleibt oder aber in die private wechselt, sollte jedoch sorgfältig getroffen werden, denn die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung gestaltet sich meist schwierig. Für Beamte lohnt sich die private Krankenversicherung fast immer. Sie erhalten von ihrem Dienstherrn die sogenannte Beihilfe. Diese deckt zwischen 50 und 80 Prozent aller Gesundheitskosten. Die restlichen Kosten werden entweder durch die gesetzliche oder die private Krankenversicherung gedeckt. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung müssen Beamte jedoch den vollen Beitrag von 15,5 Prozent ihres Bruttolohns zahlen, da der Dienstherr den Arbeitgeberanteil nicht bezahlt. Die private Krankenversicherung bietet hingegen nicht nur mehr Leistungen, sondern auch besonders günstige Tarife für Beamte.
Selbständige und Freiberufler in der PKV
Bei Selbständigen und Freiberuflern sieht dies allerdings anders aus. Hier sollte man genau berechnen, ob sich die private Krankenversicherung lohnt. Selbständige mit einem eher niedrigen Einkommen und eigenen Kindern sind in der gesetzlichen Krankenversicherung meist besser aufgehoben. Generell muss man immer auch bedenken, dass es in der privaten Krankenversicherung keine kostenlose Familienmitversicherung gibt und Kinder eigenständig in der privaten versichert werden müssen, was zu erheblichen Mehrausgaben führen kann.
Studenten haben die Wahl
Studenten haben ebenfalls die Möglichkeit in die private Krankenversicherung einzutreten. Diese bietet zu meist günstigen Tarifen mehr Leistungen. Nach Beendigung des Studiums sollte man allerdings bedenken, dass mit einer Anstellung häufig auch wieder eine Versicherungspflicht besteht, da das Anfangsgehalt für einen Berufsanfänger selten über der JAEG liegt.
Leistungen der privaten Krankenversicherung
Warum aber sollte man sich in der privaten Krankenversicherung versichern? Sie bietet je nach Tarif weitaus mehr Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung. So werden beispielsweise die Kosten für Sehhilfen, Zahnersatz und Heilpraktikerbehandlungen ganz oder teilweise erstattet. Auch im stationären Bereich gibt es Zusatzleistungen. So kann man sich für die Chefarztbehandlung entscheiden und eine Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer. Außerdem entfällt für Privatpatienten die Praxisgebühr und sie müssen mit geringeren Wartezeiten rechnen.
Beitragsberechnung
Ein wichtiger Punkt bei der privaten Krankenversicherung ist die Beitragsberechnung. Die Versicherungsprämien werden anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung nicht anhand des Einkommens berechnet, sondern legt Faktoren wie dem Alter, Geschlecht, und Gesundheitszustand des Versicherten zugrunde. Je jünger und gesünder man ist, umso günstiger fallen auch die Versicherungsprämien aus. Bei einem höheren Alter oder vorhandenen Vorerkrankungen werden hingegen Risikozuschläge fällig. Aus diesem Grund muss man vor Versicherungsabschluss auch die sogenannten Gesundheitsfragen beantworten. Hierbei sollte man allerdings auf keinen Fall Vorerkrankungen verschweigen oder anderweitige Falschangaben machen, da der Versicherer ansonsten das Recht hat, Versicherungsleistungen auch rückwirkend zu verweigern.
Den richtigen Tarif finden
Aufgrund der verschiedenen Faktoren und der Tatsache, dass unterschiedliche Versicherer diese unterschiedlich gewichten, können sich zum Teil sehr hohe Preisunterschiede zwischen den einzelnen Tarifen bilden, selbst dann wenn der Leistungsumfang gleich ist. Daher lohnt es sich, vor Vertragsabschluss nicht nur einen Versicherungsvergleich durchzuführen, sondern zudem die Beratung durch einen unabhängigen Versicherungsexperten in Anspruch zu nehmen. Dieser kann Ihnen dabei helfen, einen Tarif zu finden, der günstig ist und Ihnen dabei alle Leistungen bietet, auf die Sie Wert legen. Allerdings sollten Sie dabei vermeiden, einen sogenannten Einsteigertarif zu wählen. Diese sind zwar sehr günstig, bieten allerdings meist nur sehr wenige Leistungen. Zudem muss man hier damit rechnen, dass es zu teils erheblichen Preissteigerungen kommt.